Trude Herr, eine kölsche Ulknudel

Die Schauspielerin, Schlagersängerin und Theaterdirektorin Trude Herr ist ein Kind der Schäl Sick. 1927 in Köln-Kalk geboren und in Köln-Nippes aufgewachsen, verbrachte sie einige Zeit außerhalb der Stadt, um dann im Alter von 20 Jahren zurückzukehren und am Kölner Millowitsch-Theater ihre erfolgreiche Bühnen-Karriere zu starten. Parallel trat sie bei den Sitzungen verschiedener Karnevalsvereine als Büttenrednerin auf und schmetterte Schlager. Als kölsches Original etablierte sie sich 1977 endgültig durch die Gründung ihres „Theater im Vringsveedel“.

Als junge Frau verwirklichte sich Trude Herr auf der Theaterbühne und als Varieté- und Revuesängerin, durchaus mit ulkigen Zügen. Ihre Markenzeichen waren, neben ihrer Leibesfülle, ihre markante Stimme, ihre Energie und ihr Talent, sich selbst lächerlich zu machen und das Klischee des „Pummelchens“ schamlos auszureizen. Als „Trampel“ trat sie auch in Klamauk-Filmchen der 50er- und 60er-Jahre auf, dafür war sie sich nie zu schade. Insgesamt wirkte Trude Herr in über 30 Filmen mit.

Großen Erfolg hatte sie auch im Schlagergeschäft – legendär ist ihr Song „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“. Weitere Hits folgten und sie nahm zeitlebens zahlreiche Schallplatten auf. Ebenso schaffte es ihr letzter Titel „Niemals geht man so ganz“, den sie mit Wolfgang Niedecken und Tommy Engel, der damals Lead-Sänger der Blääck Fööss war, interpretierte, in die Top 20 der Charts.

Mit viel Engagement und reichlich kölschem Humor widmete Trude Herr sich ab 1977 aber ihrem Volkstheater, dem „Theater im Vringsveedel“, das zu seinen Hochzeiten zum bestbesuchten Theater in Nordrhein-Westfalen avancierte. Damit erfüllte sie sich ihren lang gehegten Wunsch, ein reformiertes Theater zu schaffen, in dem das Publikum nicht nur heile Welt gezeigt bekam, sondern in dem das Interesse von Minderheiten vertreten wurde. Ihr Metier war dabei die Komödie: Trude Herr schrieb eigene Stücke, führte Regie und schauspielerte auf der Bühne selbst.

Die Kölner nahmen ihr Werken begeistert auf und Trude Herr war aus dem öffentlichen Kölner Leben kaum mehr wegzudenken. Nach mehreren wirtschaftlich mauen Jahren musste sie ihr Theater 1986 jedoch schließen. Aus gesundheitlichen Gründen verließ sie daraufhin Köln, wurde aber nach ihrem Tod im März 1991 auf dem Kölner Nordfriedhof, in der Heimat, beerdigt.

Originally posted 2015-01-05 10:15:20.