Die Jecken feiern am Elften Elften

Clowns an Karneval

Den Elften im Elften haben sich die Narren im Rheinland auserkoren, um ihr mehrere Monate langes Freudenfest – den Karneval – zu feiern.
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Alle Jahre wieder beginnt der November mit dem Feiertag Allerheiligen, einem Tag, an dem man sich auf Tod und Vergänglichkeit besinnt. Trist und grau passt sich das Wetter diesem Trübsal an. Die Stimmung sinkt. Denkste! Gerade den November haben sich die Narren im Rheinland auserkoren, um ihr mehrere Monate langes Freudenfest – den Karneval – zu feiern. Am Elften im Elften fällt erneut der Startschuss dazu.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der 11. November zum festen Datum der Eröffnung der beginnenden Karnevalssession. An diesem Tag wird das designierte Dreigestirn der Öffentlichkeit vorgestellt, die Karnevalsgesellschaften halten erste Feiern ab und die Jecken hören und lernen die neuen Karnevalslieder, damit sie sie dann spätestens an Rosenmontag lauthals mitsingen können.

Die größte Party in Köln veranstaltet am Elften im Elften die Willi-Ostermann-Gesellschaft auf dem Alter Markt. Hier kann jeder mitmachen, egal ob reich, arm, jung, alt, kölsch oder Imi: Da werden die Perücken, Clownsnasen und Schminke aus den Karnevalskisten im Keller geholt und laut und knallbunt ertönt auf den Straßen und Plätzen der Countdown zur neuen Session. Danach ruht der Karneval noch einmal bis Januar.

Warum die Session im Rheinland alljährlich genau am 11. im 11. beginnt, ist teilweise historisch begründet. Zum Beispiel begann exakt an diesem Datum schon im Reich der Westgoten (418-711) eine 56-tägige Fastenzeit. Vorab feierte man ausgiebig. Einem ähnlichen Ablauf folgen heute die Christen, leitet die bunte Karnevalszeit doch auch deren Fastenzeit ein.

Darüber hinaus zieht sich die Zahl Elf seit 1830, dem Jahr, in dem sich das „Festordnende Comité“ in Köln darauf einigte, maximal elf Mitglieder in seinem Rat zuzulassen, wie ein roter Faden durch den gesamten Karneval. Aus besagtem Comité ging das Festkomitee Kölner Karneval hervor, das heute unter anderem den Rosenmontagszug in der Domstadt organisiert – ihm und anderen Kölner Karnevalsgesellschaften sitzt seitdem noch immer ein Elferrat vor, der aus elf Vorstandsmitgliedern einschließlich des Präsidenten besteht.

Und auch symbolisch gewann die Zahl Elf im Laufe der Jahre an Wert. Zum Beispiel steht sie für die Einheit im Karneval – sie stellt die Eins neben die Eins als Zeichen für die Gleichheit aller und verdeutlicht, dass jeder Jeck, egal wie seine Geschichte lautet, eine selbständige und gleichberechtigte Person ist. Zudem steht ELF seit der Französischen Revolution für den Wahlspruch „Egalité, Liberté, Fraternité“, also für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, und diese Deutung ist gerade für das Rheinland, das lange unter französischer Besatzung lebte, maßgebend.