Die Geschichte des Kölner Dreigestirns

Dreigestirn im Kölner Karneval

Ab 1938 spricht man in Köln von einem Dreigestirn, zuvor war Prinz Karneval allein unterwegs. | © J. Rieger, Köln / Festkomitee Kölner Karneval

Im frühen 19. Jahrhundert etablierten die damals verantwortlichen Karnevalisten den Held Karneval. Als personifizierter Karneval sollte dieser jedes Jahr zum Höhepunkt der Feierlichkeiten, am Rosenmontag, seinen Siegeszug durch die Stadt Köln antreten und das „schnöde“ Volksfest mit seinem edlen, dem Kaiser nachempfundenen Gewand und seinem heldenhaften Charakter zu etwas Besonderem machen: Held Karneval rückte als symbolische Figur zunehmend in den Mittelpunkt des jecken Treibens.

In manchen Jahren stellte man dem Held Karneval eine Braut zur Seite, die Prinzessin Venetia, die nicht zufällig an den venezianischen Karneval erinnerte. In Düsseldorf ist es dabei geblieben: Dort begleitet Venetia noch heute ihren Liebsten durch die Session – nur, dass dieser im Volksmund unter einem anderen Namen bekannt ist, denn am Rhein wurde Held Karneval nach dem Krieg 1870/71 zum Prinz Karneval.

Abgesehen vom Titel hat sich im Laufe der Zeit jedoch wenig verändert. Prinz Karneval trägt nach wie vor eine Kopfbedeckung mit Pfauenfedern – diese sind ein Symbol für die Unsterblichkeit. Über dem weißen Gewand mit goldener Kette trägt er einen purpurnen Mantel mit Hermelinkragen, in der Hand hält er eine Pritsche. Damals wie heute ist er die Hauptperson des Rosenmontagszugs und wird von den Jecken gefeiert, wenn er mit dem kostbarsten Wagen als Letzter um die Ecke biegt.

Die Jungfrau symbolisiert die freie, unabhängige Stadt Köln und wird von einem Mann dargestellt, denn beim organisierten Karneval handelt es sich um eine Männerdomäne – auch heute noch. Die traditionsbewussten Karnevalsgesellschaften, die nach wie vor das Dreigestirn stellen, akzeptieren keine weiblichen Mitglieder. Außerdem möchte man die Komik, die eine männliche Jungfrau verbreitet, in Köln nicht missen und so folgt man weiterhin einvernehmlich der Tradition.

Der Bauer ist ebenso eine Symbolfigur. Er stellt Köln als Mitglied der Reichsbauernschaft dar, weil die Domstadt im Mittelalter zu den vier Bauernschaften des Reiches gehörte, und ist Schildhalter der Stadt. Seinen Hut zieren gleich 125 Pfauenfedern: Sie stehen für die Unsterblichkeit der freien Reichsstadt Köln. Immer im Gepäck hat der Bauer einen Dreschflegel, der seine Wehrhaftigkeit symbolisiert.

So wie auch die Jungfrau war der Bauer früher unabhängig vom Prinzen. Erst ab 1883 sind die beiden feststehende Figuren des Kölner Karnevals, die zwar mit dem Prinz auftreten, aber noch immer getrennt von ihm im Rosenmontagszug fahren. Erst ab 1938 spricht man von einem Dreigestirn.

Originally posted 2015-01-08 09:49:27.